Quo vadis Deutschland

  1. abgeschnitten von echter demokratischen Teilhabe,
    (Delegierten ein Kreuzchen anzuvertrauen ist nicht wirklich ´selbstwirksam´. Darüber hinaus verwässern Koalitionen die gewählte Marschrichtung. Das macht den ´Rechthabern´ das Leben echt schwer)

  2. Wohlstand (eben nicht für Alle) bewirkt eine soziale ´Segregation´. Das sind dann eben auch Verteilungskämpfe vs. Besitzstandswahrung. Was zu Pkt.3 führt

  3. Desinteresse, Demotivation, Rückzug ins Private aber auch letztlich auch Verrohung. (womöglich nicht nur politisch, sondern auch allg. sozial. Die ´Segregation´ tut den Rest: mangelhafte soziale Emphatie)

Den ´Wohlstand´ Deutschlands gabs eigentlich nur kurz. in den WohlstandsWunderJahren als genug für Alle nach unten durchdrang. Danach gabs den Wohlstand eigentlich nicht mehr für Alle, denn dieser für nicht Alle musste durch Sparmaßnahmen an Interessen der ´Wehrlosen´ und Vertrösteten gesichert werden.
Die Erosion der sozialen Systeme, Bildung, Krankenversicherung, Renten, Infrastruktur, etc. ist überdeutlich spürbar.

Und eigentlich wollte die Ampel es angehen.
Und eigentlich wollte die FDP dies nicht.
Und Ukrainekrieg und Gaskrieg mit Moskau machten´s zu nichte.
Und die ´schwarze Null´…

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Davide Conti ist Zeithistoriker, sein Spezialgebiet ist die italienische Rechte seit Gründung der Republik 1946. Er hat in einem Interview mit dem Tagesspiegel am 28.05.24 erklärt, dass wir alle in einer Demokratiekrise stecken. Historisch waren Faschismus und Nationalsozialismus nirgendwo von sich aus stark. Sie entstanden, weil die Demokratie schwach war. Ihre Erben profitieren heute erneut davon. Es genügt schon dagegen zu sein um politisch erfolgreich zu sein.

Der Tagesspiegel hat in seinem Untertitel den Begriff „RERUM COGNOSCERE CAUSAS“. Dieser Begriff bedeutet: „Die Ursachen der Dinge erkennen“.

Warum hat rechtes Gedankengut bei uns und in ganz Europa Konjunktur? Was läuft schief in unserer Gesellschaft? Die Gründe dürften vielschichtig sein und sind nicht einfach zu ergründen. Wir feiern uns für 75 Jahre Grundgesetz und betonen dabei den Wert unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung.

Warum beherrscht dann eine rechtspopulistische Partei den Diskurs?

Die Aussetzer einer Party auf Sylt in deren Verlauf rassistische und nationalistische Äußerungen den Weg ins Internet gefunden haben zeigen auf, dass wir als Gesellschaft auf einem dünnen Eis der Demokratie leben.

Doch wo liegt die Ursache dieser Entwicklung? Ist es mangelnde Bildung, eine Wohlstandsverwahrlosung, ein Ohnmachtsgefühl gegenüber einer sich selbst beweihräuchernden Verwaltung, dem Politiksprech unserer Politiker oder nur an dem Narzissmus der Politiker? Liegt es an dem Wust von Gesetzen und Verordnungen, die im Grunde genommen nur von den jeweiligen Sachbearbeitern verstanden werden.

Quo vadis Deutschland? Wollen wir wirklich uns erneut kreuzigen lassen indem wir faschistischen Idealen hinterherhecheln?

Es ist an der Zeit hier einzuschreiten und den Weg in den Abgrund politischen Wahnsinns zu beenden.

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Bei der Diskussion um Intelligenz,Bildung und soziale Kompetenz fehlt mir oft der Aspekt der emotionalen Kompetenz.
Ich habe oft das Gefühl, dass Menschen sich über ihre Gefühle gar nicht im Klaren sind.
Geht mir selbst auch manchmal so .
Aber Gefühle bestimmen eben auch gerne mal unser Denken und Handeln . Zu wissen was man fühlt und woher das Gefühl kommt und wie man mit Gefühlen umgeht ist ungeheuer wichtig wenn ich vernünftige Entscheidungen treffen und ein getestet Leben leben möchte.
Für mich ist auch immer wichtig zu überlegen welche Emotionen, Sehnsüchte etc . Stecken hinter den Taten der Menschen . Auch die Ereignisse auf Sylt kann man unter diesem Aspekt betrachten.

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Elisabeth, welche Gefühle siehst Du in den mehr oder weniger pupertären Äußerungen dieser Menschen.
Dagegen zu sein, als Sinn und Zweck, ist wohl sinnfrei. Ist es die Puplikumswirksame Selbstdarstellung (Narzismus) in den „sozialen“ Medien?

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Ich bin ja kein Psychologe aber klassischerweise könnte hier Angst im Spiel sein, Sehnsucht nach Anerkennung , Sehnsucht nach sozialer Wärme und Zugehörigkeit, Abenteuerlust, Verletzung, Ausgrenzung, Neid.
Das sind jetzt nicht alles Gefühle aber mit der Gefühlswelt zusammen hängende Begriffe.

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Elisabeth, wodurch werden diese Gefühle hervorgerufen?
Was läuft schief in unserer Gesellschaft, dass solche „Gefühle“ immer mehr überhand nehmen? Sind wir zu satt? Oder liegen die Gründe in einer beginnenden Dystopie, d.h. unsere Gesellschaft, die ja auch eine Gemeinschaft sein sollte, soweit fragmentiert ist, dass keine Gemeinschaft mehr vorhanden ist.
Jeder für sich kann keine Maxime sein.
Oder sind diese Handlungen eine Folge manipulativer indirekter Lenkung mittels kognitiver Mittel?
Elisabeth Wehling und George Lakoff haben ein Buch verfasst mit dem Titel „Auf leisen Sohlen ins Gehirn“. Sind wir alle schon fremd gelenkt, infiziert von den leisen Sohlen, die ins Gehirn, unserem Denken, eingedrungen sind? Natürlich beeinflusst unser Umfeld, unsere Diskussionen mit den Menschen in unserem Umkreis, unser Denken. Aber wir sollten doch eigenständig denken können.

80 Prozent unseres Denkens bleiben unbewusst und werden durch Metaphern und Deutungsrahmen geprägt. Unser vermeintlich freies Denken wird durch diejenigen beeinflusst, die bewusst bestimmte Metaphern in die öffentliche Diskussion einführen. Diesen „heimlichen Macht-Habern“ sind George Lakoff und Eva Elisabeth Wehling auf der Spur: Welcher Sprache bedienen sich Politiker in öffentlichen Debatten, um in den Köpfen der Menschen die gewünschte „Wirklichkeit“ entstehen zu lassen?
In lebhaften Gesprächen klären die beiden Wissenschaftler anhand von Sprachschöpfungen wie „Krieg gegen den Terror“ oder „Achse des Bösen“, wie Menschen denken, wie solche Denkstrukturen unser Gehirn auch physisch verändern und wie wir die Welt begreifen. Dabei werfen sie ein völlig neues Licht auf Fragen der politischen Identität, der Moral und religiöser Werte oder der Rolle von Medien und Berichterstattern.

Als Leser lernt man so die Mechanismen seines eigenen politischen Denkens, Sprechens und Handelns besser kennen. Man erfährt, wie stark und gleichzeitig subtil die eigenen politischen Einstellungen durch Metaphern bestimmt sind und was nötig ist, um sich davon zu befreien.

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Auch das passt zum Thema dieses Treads.
Der Philosoph Richard David Precht hat jetzt auch ein Buch über Außenpolitik geschrieben. Darin wirft er dem Westen überzogenes Sendungsbewusstsein vor und geht hart mit der deutschen Diplomatie ins Gericht.

Er definiert Diplomatie als Kunst der leisen Töne. Diese Kunst, so sieht er das, geht leider verloren und damit auch die Erfolge.

Er greift in seinem Buch über deutsche Außenpolitik eine zweistufen Moral der deutschen Außenpolitik an. Wobei er im Prinzip Recht hat. Man kann nicht Xi verdammen und Saudi Arabien hoffieren. Das ist inkonsequent und schädlich für unsere Glaubwürdigkeit.

Er schreibt weiter, dass schon Aristoteles wusste, dass die Demokratie die komplizierteste und anspruchsvollste Staatsform ist. Das ist sie!

Das bedeutet aber auch, dass wir als Bürger, Teilhaber dieser Demokratie, sich so zu verhalten haben. Das heißt: Verantwortung für das Ganze.

Wir als Bürger sind verpflichtet unsere Demokratie mit Leben zu erfüllen. Dazu gehört auch andere Meinungen zu akzeptieren, aber das muss nicht heißen, dass man diesen Meinungen folgen muss.

Die Menschen, die anderen Ideen folgen, haben bestimmt ihre Gründe, gleich ob sie berechtigt sind oder nicht.

Zum Schluss wird Precht gefragt wie er die Zukunft sieht und welche Konsequenzen er aus dem derzeitigen Zustand sieht, er antwortet: „Ich hoffe mit meinem Buch, etwas dazu beizutragen, dass viele Menschen die globalen und geostrategischen Probleme etwas differenzierter sehen und wieder ein bisschen Abstand zu allzu einfachen Erklärungsmustern gewinnen. Wenn mein Buch ein wenig

zu einer ideologischen Abrüstung beitrüge, dann würde mich das freuen.“

Man kann zu Precht stehen oder auch nicht, aber im Grunde hat er Recht. Was wollen wir? Quo vadis Deutschland? Haben wir eine Zwillingsmoral? Eine Moral je nach Nutzen für uns?
Wie sagte Kant in senem Vorwort zur Kritik an der Vernunft: „Die menschliche Vernunft hat das besondere Schicksal in einer Gattung ihrer Erkenntnisse: daß sie durch Fragen belästigt wird, die sie nicht abweisen kann; denn sie sind ihr
durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, die sie aber auch nicht beantworten kann, denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft.“
Oder nehmen wir den Prolog zu Faust I: " Da steh’ ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor! Heiße Magister, heiße Doktor gar, Und ziehe schon an die zehen Jahr’ Herauf, herab und quer und krumm Meine Schüler an der Nase herum – Und sehe, daß wir nichts wissen können!"
Und hier schließt sich der Kreis zum Buch von Albrecht Müller: „Nichts glauben, alles hinterfragen und selbst denken.“

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Nun erstmal weiß ich ja gar nicht ob es tatsächlich solche "Gefühle"waren , die die jungen Leute auf Sylt motiviert haben. Ich kenne die ja nicht persönlich, weiß nichts über deren Biographie.
Ich wollte das nur als mögliche Option mit in die Diskussion einbringen.

Nehmen diese Gefühle tatsächlich immer mehr Überhand?
Da möchte ich mir auf die schnelle kein Urteil erlauben.
Tatsache ist aber dass es die Gefühle so wahrscheinlich schon immer gab.

Steht es wirklich so schlecht um unsere Gesellschaft?

Das Gefühl hab ich schon aber ist das auch Realität?

Wenn ich einkaufen gehe , oder Menschen auf der Straße begegne , wenn ich zu einem Amt muss oder Elterngespräch, dann treffe ich doch mehrheitlich auf freundliche , offene Menschen.
Aber manchmal habe ich doch das Gefühl ich gehöre nicht zur Gesellschaft.
Aber warum?
Weil die meisten Familien hier in schicken Einfamilienhäusern wohnen und ich nicht?
Weil ich das Gefühl habe dass diese Menschen auf mich herunterschauen?
Schauen die Menschen wirklich auf mich herunter?
Hab ich sie denn Gefragt?
Nein denn wer traut sich schon einfach mal sowas zu fragen .

Und schon haben wir ein weiteres Beispiel dafür, wie Gefühle unser Denken beeinflussen können.
Wenn wir uns noch ein paar Jahre lang erzählen, dass es keine Gemeinschaft mehr gibt, dann wird das bestimmt Realität.

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Ich dachte immer , dass wir gerade durch unser Denken Bewusstsein erlangen.
Darum muss ich über diesen Satz jetzt erst mal nachdenken. Wenn ich mich so beobachte dann kann ich nur folgendes dazu sagen:
Mir schwirren den ganzen Tag ununterbrochen Gedanken durch den Kopf und die nehme ich leider sehr bewusst war.
Wenn ich mir vorstelle das diese Gedanken nur 20%
sein sollen von meinem gesamten Denken, dann müsste ich ja um um komplett alles bewusst zu denken immer fünf Gedankenschritte gleichzeitig bewusst denken. Das geht doch gar nicht.

Elisabeth, dass haben kognitive Untersuchen ergeben.
Unsere Entscheidungen werden im Unterbewusstesein getroffen, ohne dass wir darauf Einfluss haben. Die Entscheidungen unseres Unterbewusstseins werden uns dann als aktuelle Entscheidung dargestellt. Unser Unterbewusstsein verarbeitet alle Inf
ormationen und versucht die Abwägung der einzelnen Informationen im Hintergrund abzuarbeiten. Wir bekommen von dieser Bearbeitung nichts real mit.

Wobei man mit einer Prise Verstand diesem Mechanismus schon ein wenig entgegen wirken könnte…

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Nein, dem möchte ich widersprechen. Unser Unterbewusstsein ist losgelöst von unserem bewussten Verstand. Unser „Verstand“ bedient sich des Unbewussten.
Die Struktur des menschlichen Bewusstseins: Bewusst vs. Unterbewusst

Das menschliche Bewusstsein lässt sich in zwei Hauptbereiche unterteilen: das Bewusstsein und das Unterbewusstsein. Das Bewusstsein ist der Teil unseres Geistes, der für rationales Denken, logische Analyse und bewusste Aufmerksamkeit zuständig ist. Es ist das, was wir aktiv wahrnehmen – unsere momentanen Gedanken, Empfindungen und Entscheidungen.

Im Gegensatz dazu arbeitet das Unterbewusstsein außerhalb unserer direkten Wahrnehmung. Es ist ein tiefer liegender, umfangreicher Teil des Bewusstseins, der unsere Erfahrungen, Erinnerungen und gelernten Verhaltensweisen enthält. Es ist nicht durch unsere unmittelbare Aufmerksamkeit begrenzt und kann eine große Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten. Das Unterbewusstsein beeinflusst aktiv unser Verhalten und unsere Entscheidungen, oft ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Es ist der Ort, an dem unsere Ängste und Hoffnungen wohnen, und es hat das Potenzial, unsere Lebensqualität entweder zu erhöhen oder zu mindern, je nachdem, welche Glaubenssätze und Einstellungen in ihm verankert sind. Selbst unsere Erfahrungen im Kindesalter prägen unser aktives Tun.
Ich glaube, dass ich jetzt etwas abschweife. Aber unser Thema war die gewaltfreie Kommunikation. Eine Kommunikation ohne psychische Verletzungen. Es stellt sicvh nun die Frage ob diese gewaltfeie Kommunikatioin in der Bevölkerung wahrgenommen wird. Vor einigen Jahrzehnten waren Kabaretisten der Spiegel für unsere Gesellschaft. Heute hben wir eine inflationär tätige Masse an „Comedians“, die uns die Fehlentwicklung unserer Gesellschaft vor Augen halten.

Ohne diese Studien zu kennen kann ich dazu jetzt nicht viel sagen . Nur mir fällt es schwer das so zu glauben , da meine Beobachtungen an mir selbst mir eben etwas anderes sagen. Könntest du vielleicht genaueres zu den Studien sagen ?

Meinungsmanipulation:
Ich möchte uns bei DiB für Methoden der schleichenden Meinungsmanipulation sensibilisieren. Wir werden von unseren politisch Verantwortlichen in Dauerschleife mit Schlagworten (Keywords) bombardiert, wie: Schuldenbremse – Sozialschmarotzer – längere Lebensarbeitszeit – längere Arbeitszeit für Arbeitnehmer - Deindustrialisierung – Generationenvertrag – Wirtschaftswachstum über alles – Wohlstandsgesellschaft – soziale Hängematte – Lohnabstandsgebot.

Diese Aufzählung ist nicht vollständig, aber sie zeigt in welche Richtung unsere gesellschaftliche Entwicklung geht. Man versucht mit Schlagworten, neudeutsch Keywords, Totschlagargumente in den Köpfen der Bürger einzupflanzen. Wer will sich nicht zu den Leistungsträgern einer Gesellschaft zählen?

Es wird ein mangelndes Wirtschaftswachstum beklagt, aber keiner der maßgeblichen Leute erörtert den Begriff in einer objektiven Art und Weiße. Wirtschaftswachstum kann quantitativ oder qualitativ bewertet werden. Genau wie in der Psychologie die Freiheit in eine quantitative und eine qualitative Freiheit unterschieden wird.

Wir haben weltweit die geringste offizielle jährliche Arbeitszeit, sind aber immer noch Dritter im Ranking der höchsten Wirtschaftskraft. Dies gegen Länder wie USA, ca. 3-fache der Bevölkerung und China, ca. dem 16-fachen der Bevölkerung.

Unser Finanzminister ohne Geld beschreibt unseren wirtschaftlichen Abstieg, als wenn dies nur durch die „unverschämten“ Forderungen der Arbeitnehmer nach einer „Work–Life–Balance“ hervorgerufen werde. Dabei könnte eine sinnvolle Work-Life-Balance ohne große Umstände erreicht werden. Vielmehr wird die Generation „Z“ als arbeitsunwillig bezeichnet.
Ein BGE könnte hier hilfreich sein!

Das Zentrum für eine neue Sozialpolitik hat eine Studie veröffentlicht, in der dargelegt wird, dass das heutige Steuersystem mit „Freibeträgen“ nur die Ungleichheit verstärkt. Seit Jahrzehnten tragen alle das Mantra einer Steuerreform vor sich her. Die Leistungsträger werden immer wieder hervorgehoben, ohne aber zu erläutern, wer Leistungsträger ist.

Liste der Länder nach Arbeitszeit

Die Liste der Länder nach Arbeitszeit sortiert Länder nach der jährlich gelisteten Arbeitszeit pro Beschäftigtem. Arbeitszeit ist im Arbeitsrecht der Zeitraum, in welchem ein Arbeitnehmer seiner Arbeitspflicht nachkommen muss, wobei Arbeitspausen meist nicht mitzählen. Für Selbständige ohne vertraglich festgelegte Arbeitszeit ist Arbeitszeit der Zeitraum, den sie an ihrer Arbeitsstätte zum Zwecke der Erwerbstätigkeit verbringen. Komplementärbegriff ist die Freizeit.

Die durchschnittliche Länge der Arbeitszeit in verschiedenen Ländern hängt von einer Reihe wirtschaftlicher, sozialer und gesellschaftlicher Faktoren ab. Eine wichtige Rolle spielt zudem, inwieweit Teilzeitarbeit verbreitet ist, welche in Entwicklungsländern seltener vorkommt. Die weltweit längste durchschnittliche Arbeitszeit unter 66 untersuchten Ländern wies 2017 der südostasiatische Staat Kambodscha auf. Die Arbeitszeit pro Arbeitskraft lag hier bei ca. 2456 Stunden im Jahr, was knapp 47 Stunden pro Woche und knapp 6,7 Stunden pro Jahrestag sind. In Deutschland dagegen lag sie bei knapp 1.354 Stunden pro Jahr (26 pro Woche und 3,7 pro Jahrestag), was der niedrigste Wert unter allen untersuchten Ländern war.[1]

In den meisten Ländern sinkt die wöchentliche Arbeitszeit mit steigendem Wohlstand, höherer Produktivität und steigender Erwerbsquote. So sank in Deutschland die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit einer nicht in der Landwirtschaft und in Vollzeit beschäftigten Person zwischen 1870 und 2010 um knapp 40 Prozent. In entwickelten Ländern ist die durchschnittliche Arbeitszeit deshalb meist deutlich kürzer als in Entwicklungsländern. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Dazu zählen Länder wie Südkorea oder Singapur, welche trotz hohen Einkommen immer noch vergleichbare lange Arbeitszeiten haben.[1]

Durch international unterschiedliche Erhebungsmethoden und da sich die Erwerbsquote, insbesondere auch die Frauenerwerbsquote in den einzelnen Staaten teilweise stark unterscheidet, geben die folgenden Zahlen keine Auskunft über die insgesamt geleisteten Arbeitsstunden bzw. die durchschnittliche Anzahl Arbeitsstunden je Person im erwerbsfähigen Alter[2]. So gibt es in Deutschland seit Beginn des Jahrtausends einen gegenläufigen Trend: während die Zahl der Arbeitsstunden je Beschäftigtem tendenziell immer weiter fällt, nimmt die Zahl der Arbeitsstunden je Person im erwerbsfähigen Alter – unterbrochen durch Krisenjahre – durch die stärker steigende Erwerbsquote wieder zu, nachdem im Jahr 2005 ein Minimum erreicht war[3].

Rangliste

Länder und Territorien sind sortiert nach der durchschnittlichen jährlichen Arbeitszeit pro beschäftigter Person (Männer und Frauen) in Stunden im Jahr 2017.[1] Nicht für alle Staaten der Welt sind Daten vorhanden.

Rang Land Arbeitszeit in Stunden
(2017)

1 Kambodscha 2.455,55
2 Myanmar 2.437,86
3 Mexiko 2.255,00
4 Malaysia 2.238,27
5 Singapur 2.237,73
6 Bangladesch 2.232,35
7 Costa Rica 2.212,38
8 Südafrika 2.209,09
9 Hongkong 2.185,58
10 Thailand 2.185,45
11 Volksrepublik China 2.174,35
12 Vietnam 2.169,59
13 Philippinen 2.148,56
14 Indien 2.117,01
15 Pakistan 2.096,14
16 Südkorea 2.063,33
17 Malta 2.040,03
18 Polen 2.028,50
19 Indonesien 2.024,29
20 Griechenland 2.016,90
21 Kolumbien 1.997,75
22 Taiwan 1.990,32
23 Chile 1.974,00
23 Russland 1.974,00
25 Ungarn 1.937,33
26 Peru 1.932,46
27 Sri Lanka 1.923,94
28 Israel 1.920,61
29 Lettland 1.874,60
30 Portugal 1.863,17
31 Estland 1.856,68
32 Litauen 1.844,02
33 Kroatien 1.834,93
34 Türkei 1.832,00
35 Nigeria 1.827,24
36 Rumänien 1.806,00
37 Zypern 1.783,52
38 Tschechien 1.776,16
39 Vereinigte Staaten 1.757,23
40 Neuseeland 1.752,00
41 Irland 1.745,68
42 Slowakei 1.745,23
43 Japan 1.738,36
44 Österreich 1.731,49
45 Italien 1.722,61
46 Brasilien 1.709,49
47 Ecuador 1.701,36
48 Kanada 1.696,46
49 Argentinien 1.691,54
50 Spanien 1.686,50
51 Vereinigtes Königreich 1.670,27
52 Finnland 1.659,28
53 Slowenien 1.655,09
54 Bulgarien 1.643,55
55 Australien 1.613,05
56 Schweden 1.609,29
57 Schweiz 1.589,68
58 Uruguay 1.552,35
59 Belgien 1.544,27
60 Luxemburg 1.518,86
61 Frankreich 1.514,14
62 Island 1.493,37
63 Niederlande 1.430,02
64 Norwegen 1.417,47
65 Dänemark 1.400,38
66 Deutschland 1.353,89

Demzufolge dürften wir doch über keine solche Wirtschaftskraft verfügen. Doch was wird suggeriert?

Wir müssen mehr arbeiten um unseren Standard, unseren Wohlstand, zu bewahren. Wessen Wohlstand sollen wir bewahren?

So pflanzen sich Begriffe in unserem Gehirn ein, ohne auf Fakten basiert zu sein. Auf leisen Sohlen ins Gehirn.

Kevin Dutton hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Der Gehirnflüsterer“, welches genau dieses Phänomen beschreibt. Der Untertitel des Buches lautet: „Wie erreiche ich, dass der andere das tut, was ich möchte ohne es zu merken, dass ich das möchte.“

Aus dem Vorwort möchte ich folgendes zitieren:

„STEWARDESS: Bitte legen Sie vor dem Start die Sicherheitsgurte an.

MUHAMMAD ALI: Ich bin Superman. Superman braucht keinen Sicherheitsgurt!

STEWARDESS: Superman braucht auch kein Flugzeug.

Pressemitteilung dazu:

P.M. Magazin: Der britische Psychologe beschreibt die subtilen Mechanismen der ‚Gehirnverführung‘ vom einfachen Blickkontakt bis zu den Denkfallen, in die selbst die schlauesten Menschen tappen.

Dies zu wissen, dass wir manipulierbar sind, ist Vorrausetzung für eine echte politische Auseinandersetzung. Mir hat mal vorgeworfen, dass ich CIA-Methoden verwenden würde, weil ich nachfragte, worauf er seine Aussage begründete.

Aber ist es nicht genau das, was unser Denken und damit unser Handeln ausmacht. Nach Albrecht Müller: Nichts Glauben, Alles Hinterfragen und Selbst Denken.

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