Eckpunkte für ein Geburtshilfestärkungsgesetz im klinischen Bereich

Problembeschreibung:
Der Hebammen Mangel in der Klinischen Geburtshilfe ist seit Jahren eklatant. Das Resultat daraus ist , dass eine Hebamme oft mehrere Frauen gleichzeitig betreuen muss . Für die Hebammen ist das eine enorme Belastung. Für Gebärende bedeutet das , dass sie im Kreißsaal oft nicht die Zuwendung
bekommen die sie benötigen.

Der Hebammenverband hat ein Papier erarbeitet mit dem Titel „Eckpunkte für ein Geburtshilfe- Stärkungsgesetz im klinischen Bereich“.
Die hier gestellten Forderungen sollen dazu dienen die Versorgungssituation der Gebärenden und die Arbeitsbedingungen der Hebammen in der klinischen Geburtshilfe zu verbessern. Die Forderungen im einzelnen habe ich folgende aufgeführt.

(1) Ein Hebammensonderstellenprogramm schaffen
Problem:
In Deutschland gelingt es nicht mehr, freie Planstellen in den Kreißsälen mit
Hebammen zu besetzen. In der Folge werden zwei, drei oder mehrere Gebärende zeitgleich
von einer einzelnen Hebamme betreut. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich
weit hinter Ländern wie England, Frankreich, Norwegen, der Schweiz und der Türkei. Um
eine menschenwürdige und familienorientierte Geburtshilfe zu leisten, bedarf es der
Einführung von verbindlichen Personalanhaltzahlen und Betreuungsrelationen für
Hebammen in der klinischen Geburtshilfe.
Lösung:
Neue Hebammenstellen sowie Stellenaufstockungen in geburtshilflichen
Abteilungen werden komplett aus einem Sonderprogramm refinanziert. Das geschieht
solange, bis für die Umsetzung einer Eins-zu-Eins-Betreuung ein Personalschlüssel von
einer Hebammenplanstelle (Vollzeitäquivalent) auf 30 Entbindungen pro Jahr und
geburtshilflicher Abteilung erreicht ist. Zukünftig steht damit jeder gebärenden Frau und
damit auch dem Kind oder den Kindern und der Familie eine Hebamme während der Geburt
zur Seite. Dies ermöglicht eine individuelle und familienzentrierte Geburtshilfe und
entspricht den Ansprüchen der Hebammen an die eigene Arbeit. Der bessere Betreuungsschlüssel orientiert sich an der Sicherheit für und den Bedürfnissen von Frauen und Kindern.Gleichzeitig führt dies auch zu angemessenen Arbeitsbedingungen für Hebammen. Die Arbeit in der klinischen Geburtshilfe wird für Hebammen wieder attraktiver und der Personalmangel kann damit effektiv bekämpft werden.

(2) Den Hebammen-Betreuungsschlüssel in Krankenhäusern veröffentlichen
Problem:
Schwangeren Frauen und ihren Familien fehlen transparente Informationen über
die Betreuungsqualität in den jeweiligen Krankenhäusern. Sie haben keine Möglichkeit
Krankenhäuser zu vergleichen und eine informierte Entscheidung zu treffen.
Lösung:
Krankenhäuser werden gesetzlich dazu verpflichtet, die Anzahl der Entbindungen
zu veröffentlichen, die im Jahr je tatsächlich besetzter vollzeitäquivalenter Hebammen-
Planstelle in ihren Kreißsälen stattfinden. Durch einen verbindlich veröffentlichten
aktuellen Hebammen-Betreuungsschlüssel haben Schwangere und ihre Familien die
Möglichkeit, Krankenhäuser zu vergleichen und sich für das Krankenhaus mit dem für die
Geburt besseren Betreuungsschlüssel zu entscheiden. Dies fördert den konstruktiven
Wettbewerb unter den Krankenhäusern und damit auch die Motivation mehr Hebammen –
zum Beispiel über das Sonderprogramm – einzustellen.

(3) Ambulante geburtshilfliche Notfallversorgung für Schwangere verbessern
Problem:
Schwangere, die außerhalb der Sprechzeiten der niedergelassenen
Gynäkologinnen und Gynäkologen gesundheitliche Probleme haben oder nach
Überschreitung des voraussichtlichen Entbindungstermins eine Kontrolluntersuchung
benötigen, finden heute außerhalb eines Krankenhauses kein verlässliches
Versorgungsangebot. Deshalb suchen sie die von ihnen gewählte Entbindungsklinik auf. Die
Folge sind lange Wartezeiten für die Frauen. Zudem bestehen Abrechnungsprobleme auf
Seiten der Krankenhäuser. Durch diese ambulante geburtshilfliche Notfallversorgung
werden die ohnehin knappen personellen Kapazitäten der Kreißsäle zu Lasten der
gebärenden Frauen beansprucht. Eine weitere Überlastung des Kreißsaal-Personals erfolgt
sowohl bei Hebammen als auch bei Ärztinnen und Ärzten.
Lösung:
Es werden Möglichkeiten geschaffen, die diese ambulante geburtshilfliche
Notfallversorgung in geburtshilflichen Kliniken außerhalb der Kreißsäle sicherstellen. Dafür
können geburtshilflich-gynäkologische Notdienste oder Hebammen- und/oder
Arztportalpraxen aufgebaut werden.

(4) Fehler reduzieren und interprofessionelle Zusammenarbeit in der Geburtshilfe verbessern.
Problem:
In deutschen Kreißsälen sind evidenzbasierte, verbindliche Behandlungspfade,
die Berücksichtigung von S3-Leitlinien, Verfahrensanweisungen und verbindliche
Absprachen bei Be- und Überlastungssituationen nicht durchgängig zu finden. Damit
können Schwangere sich derzeit nicht auf eine bestmögliche, verbindliche und an
Qualitätsstandards orientierte Betreuung verlassen – und zwar unabhängig von der Größe
und des Versorgungslevels der jeweiligen Klinik. Zudem führen immer häufiger verkürzte
Übergabezeiten zum Verlust von Informationen und fehlenden gesicherten
Verfahrensabläufen in der Geburtshilfe. Für die notwendige Qualitätsentwicklung der
geburtshilflichen Abteilung und das Implementieren von aktuellen Leitlinien und Standards
sind leitende Hebammen nicht ausreichend freigestellt.Keine oder kaum vorhandene
interprofessionelle Aus- und Fortbildungsprogramme, Notfalltrainings und ein fehlendes,
mangelhaftes oder angstbesetztes Fehlermanagement in der Geburtshilfe kann Mütter und Neugeborene gefährden.
Lösung:
Krankenhäuser mit geburtshilflichen Abteilungen werden dazu verpflichtet,
regelmäßig interprofessionelle Fortbildungen und Notfalltrainings durchzuführen. Ebenso
werden diese Krankenhäuser verpflichtet, ein anonymes Fehlermeldesystem einzurichten,
das die Grundlagen für interprofessionelle und intersektorale Fallbesprechungen und
Fehleranalysen bildet. Die Leitung der geburtshilflichen Abteilung obliegt einer Hebamme.
Diese benötigt eine entsprechende Qualifikation und einen Stellenumfang, der die
Umsetzung dieser Maßnahmen erlaubt und die Qualitätsentwicklung der geburtshilflichen
Abteilung ermöglicht. Die Regelungen der Richtlinie zur Versorgung von Früh- und
Neugeborenen in Level I- und Level II-Krankenhäusern (Fortbildungsverpflichtung für
Hebammen in Leitungsverantwortung) müssen dem zukünftigen akademischen
Ausbildungsniveau angepasst werden. Sie müssen zudem in jeder Versorgungsstufe
angewendet werden.

(5) Das volle Hebammenpotential für die Frauen und die Geburtshilfe
nutzen sowie die Drop-Out-Rate aus dem Beruf senken
Problem:
Frauen und Kindern steht in der klinischen Geburtshilfe nicht annähernd das volle
Hebammenpotential zur Verfügung: Hebammen müssen im Klinikalltag viele fachfremde
Tätigkeiten wie Assistenztätigkeiten, Materialbeschaffung und Putzdienste übernehmen.
Dies schränkt in erheblichem Maß die Zeit für die originäre Geburtshilfe und die Betreuung
der Frauen und ihrer Kinder ein und wird bei 63 % der Hebammen als Grund dafür
angegeben, ihre Tätigkeit in der Klinik reduzieren oder sogar aufgeben zu wollen. Ebenso
sind die meisten geburtshilflichen Abteilungen durch Hierarchien, zu wenig Austausch
zwischen den Berufsgruppen sowie eine mangelnde strukturelle und qualitative
Weiterentwicklung der Geburtshilfe geprägt. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu guter
Geburtshilfe und Arbeitsorganisation kommen nur verspätet oder gar nicht in den
Kreißsälen an. Die genannten Probleme führen als Konsequenz dazu, dass die Verweildauer
von Hebammen in der klinischen Geburtshilfe aufgrund der Frustration durch die Arbeits-
und Rahmenbedingungen von Jahr zu Jahr dramatisch sinkt.
Lösung:
Hebammen in der klinischen Geburtshilfe werden konsequent von fachfremden
Tätigkeiten befreit und in ihren Kernkompetenzen für die direkte Betreuung der Frauen und
Neugeborenen eingesetzt. In jeder geburtshilflichen Abteilung werden zudem Hebammen-
geleitete Kreißsäle geschaffen.
Ebenso werden Hebammen deutlich stärker in die Leitung und Organisation der
geburtshilflichen Abteilungen eingebunden. Die vollständige und zügige Akademisierung
des Hebammenberufes ist hierfür eine Voraussetzung. Die interprofessionelle Ausbildung
(Interprofessional Education) mit Ärztinnen und Ärzten und weiteren
Gesundheitsfachberufen muss ein Bestandteil des Studiums werden.Zur Einbeziehung
der Hebammen mit altrechtlicher Ausbildung ist eine rechtliche Regelung zur Schaffung
einer Gleichwertigkeit (wie der „Nachträgliche Titelerwerb“ (BA) analog zur Schweiz) von
großer Bedeutung.

Zu klärende Fragen:
Zu klären wäre ob die Forderung des Hebammenverbandes so noch aktuell ist bzw ob Teile der Forderung evtl schon umgesetzt wurden.

Quellen
Wie hast Du gearbeitet? Mit wem hast Du gesprochen? Woher kommen die Daten?
20200212_eckpunkte-geburtshilfe-staerkungsgesetz-hebammenverband_final (1).pdf (347,3 KB)

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Liebe Elisabeth,

ein sehr wichtiger Punkt! Ich lese derzeit leider nur von Kliniken, die ihre Geburtsstationen schließen. Das sollte auch nicht sein :frowning:

Liebe Grüße!
Tobi

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Hallo Elisabeth,

das ist ein wirklich wichtiges Thema. Hier in Sachsen-Anhalt steht es auch nicht gut, um den Berufsnachwuchs in diesem Bereich. Bereits jetzt gibt es viel zu wenige praktizierende Hebammen. Hinzu kommt meines Erachtens auch, dass allein die Ausbildungszugänge immer noch ein Hindernis für an dem Job interessierte Personen darstellen. Hebammen verdienen eine höhere Anerkennung im politischen Diskurs. Die Forderung des Verbandes, dass gerade in Kliniken Hebammen wieder die Möglichkeit bekommen müssen, ihrem „Kerngeschäft“ nachgehen zu können, ist ja eigentlich sinnbildlich für die desaströse Gesundheitspolitik. Die Forderungen sind aus meiner Sicht noch immer aktuell. Das ließe sich aber auch beim Verband erfragen.

Ich finde, dass sollte unbedingt eine Initiative werden und sich auf jedem Fall im Wahl- und Parteiprogramm wiederfinden.

Grüße
Felix

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Lieber @trkeisers und @fneumann
Vielen Dank für euer Interesse .
Ich werde die Initiative demnächst nochmals überarbeiten sodass die Forderungen im einzelnen direkt in der Ini stehen . Ich muss das aber machen wenn ich länger Zeit habe da ich den Text abschreiben muss . Kopieren und einfügen lässt er sich nicht.
Könnt ihr mir vielleicht sagen ob wenigstens mein Link funktioniert hat?
Das kann ich nämlich leider nicht nachprüfen.

Liebe Grüße
Elisabeth

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Der Link zum PDF funktioniert korrekt.

Welchen Text?
Der Text aus dem PDF kann kopiert werden, z.B.:
„Die Versorgungssituation von Frauen und Neugeborenen in den Kreißsälen ist unzureichend und wird von Jahr zu Jahr schlechter.“
Das PDF ist jedenfalls nicht kopiergeschützt erstellt worden.

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Blockzitat

Liebe Elisabeth,

ich schließe mich Guido an. Auch ich konnte alles öffnen und kopieren kann man aus dem Dokument auch. Vielleicht speicherst du die Datei bei dir nochmals neu ab, dann sollte es klappen.
Viele Grüße
Felix

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Ihr hattet Recht . Der Text lässt sich doch kopieren . Dank euch hab ich es nochmal probiert und geschafft.
Ich hab die Initiative jetzt nochmals bearbeitet, damit sie übersichtlicher ist.

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